- Auch wenn alle von Apples iPad reden, ich werde es auf keinen Fall… auslassen. Auch wenn es nicht ganz zum Thema Wein passt. Oder… doch?
Egal ob das Ding ein Erfolg wird oder nicht, eines ist inzwischen klar, Informationen werden mobil. Und nicht nur auf skatkartengroßen Mobiltelefonen mit Mondtarifen, wie sie zurzeit der deutsche Marktführer anbietet.
Es wird in Zukunft möglich sein im Weinladen, auf dem Sofa, in der Bahn oder sogar im Weinberg an einen Haufen an Informationen zu kommen. Dafür werden, falls nicht nur zusammengeklaubte PR- und Pressebelanglositäten, Nutzer auch zunehmend bereit sein Geld zu bezahlen. Apple hat mit seinem App Store die Richtung ja schon vorgegeben.
Das Modell wird sicher weitere Nachahmer finden und könnte durchaus eine Chance sein. Für engagierte Journalisten, Verlage und auch Blogger. Allerdings ist hier schon etwas kreatives Engagement gefragt.
Ob wir also in Zukunft einen Gault Millau 201x nur noch als digitale Ausgabe finden werden, wird sich zeigen. Oder besser, ob wir sowas, in der Form überhaupt haben wollen…? - Matthias Metze befasst sich auf seinem Blog Social Wine nicht ganz unkritisch mit der Aktion „WeinWeb für Haiti“. Ein Thema bei dem man sich ganz schnell die Hände verbrennen kann. Sie wissen schon, Spenden und guter Zweck.
Trotzdem teile ich die Gedanken, bei aller Sympathie für das „WeinWeb für Haiti“-Projekt. G’schmäckle hat so etwas eben ganz schnell, da braucht man noch nicht mal ein Textildiscounter zu sein… - Die “Süddeutsche Zeitung” soll sich lobende Blogposts gekauft haben. Im Nachhinein will natürlich niemand etwas damit zu tun gehabt haben, war es ganz anders gemeint. Kennen wir.
Hach, wie gut ist es doch in der Nische der Weinblogs unterwegs zu sein. Hier geht alles noch richtig ehrlich zu und jeder Blogpost ist frei von jeder Einflussnahme dritter… Oder etwa nicht? - Apropos Weinblogs: Die ZEIT online hat sich mit den Weinbloggern beschäftigt. Und diese bekommen, wie sollte es anders sein, kräftig ihr Fett ab. Auch wenn der Artikel hier und da nicht ganz Unrecht hat, neu ist das alles ja auch wieder nicht. Lauwarmer Kaffee, höchstens.
Neu ist auch nicht, dass alles darauf hinausläuft: „Man kann also durchaus etwas lernen, zumindest von den professionell geführten Weinblogs.“ Genau, wenn schon ein Weinblog, dann wenigstens von einem Kollegen.
Übrigens hatte sich wirres.net mal die ZEITBlogs angesehen, inklusive eines Weinblogs, welches damals noch dazugehört hatte. Ist zwar schon etwas länger her, sieht jetzt anders aus, hat sich total verändert… obwohl, anscheinend ja nicht. - Apropos neu: Verkorkte Welt. So hieß vor kurzem ein Artikel in… Richtig, der ZEIT. Wie wir vermuten, es geht um Korken, Weinkorken, die wunderbare Welt der Weinverschlüsse aus Naturkork. Denn die Korkenhersteller haben nun ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist alles ganz prima und toll. Denn die Ausfallrate liegt nur noch bei 3 Prozent.
Wer jetzt immer noch keinen Korken aus Kork verwenden will, ist geizig oder ein Umweltbanause, meint sogar der WWF. Irgendwie.
Ja, man kann also durchaus etwas lernen, zumindest von Journalisten die gut den Presseverteiler der Korklobby studiert haben… - Und die gute Nachricht am Ende: GWN, Good Wine News aus Dresden. Nein, Gunther Emmerlich hört leider nicht auf sich für Wein zu engagieren. Trotzdem findet auch das Dresdner Huhn diesmal mal sein Korn. Die WeinKulturBar von Silvio Nitzsche hat von der FAZ den Titel Deutschlands bestes Weinlokal 2010 angehangen bekommen. Und auch wenn ich bei solchen Auszeichnungen immer vorsichtig bin, schlecht ist es ja trotzdem nicht…
WC Lektüre vom 30. Januar 2010
Samstag, 30. Jan 2010 · 6 Kommentare
Tags: WC Lektüre · News
The WC Rothschild Race: 1992 Château Mouton Rothschild vs. 2008 Bordeaux Rouge
Donnerstag, 21. Jan 2010 · 3 Kommentare

Auf der einen Seite, ein 1992er Château Mouton Rothschild, der Erstwein vom gleichnamigen Weingut. Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu müssen, sicher einer der berühmtesten Weine der Welt. Bekannt auch in weinferneren Kreisen, nicht zuletzt durch seine legendären Künstleretiketten. Dazu kommt noch der Titel Premier Cru, eine der imaginären Spitzen der Weinwelt.
Auf der anderen Seite ein 2008er, welcher zwar ebenfalls unter Baron Philippe de Rothschild gelabelt ist, aber diesmal schlicht und einfach auf den Namen Bordeaux hört und das Château höchstens als vorbeifahrende Traube vom Lastwagen aus gesehen hat.
Unter dem Namen Philippe de Rothschild ist der Mouton so etwas wie das Luxus Penthouseappartment mit Blick über die Stadt und der Bordeaux die Einzimmerstudentenbude im Souterrain.
Das macht sich selbstverständlich im Preis bemerkbar. Für den Obolus eines Mouton könnte man durchaus 50 Flaschen des Bordeaux aus dem Laden tragen. So man beide denn im Laden kauft.
Damit dürfte das Rennen eigentlich gegessen sein. Oder vielleicht doch nicht?
Fangen wir mit dem Château Mouton Rothschild an.
Natürlich die typischen Bordeaux-Tugenden. Brombeere, etwas abgestandener Tabak, mürbes Gehölz und eine kleine Schaufel Humus. Erstmal gar nicht so übel für einen 92er Jahrgang, der in der Gegend eher durchwachsen oder besser durchwässert war. Wäre da nicht auch hier das Gefühl einer gewissen Dünne, als wären die Fässer kräftig mit Wasser aus der Garonne aufgefüllt worden.
Easy to drink? Ja. Aber Komplexität? Dichte? Nada! Dazu kommt, dass er sein Alter inzwischen auch durch seinen schicken Klamotten nicht mehr ganz kaschieren kann. (Anmk.: Ja, auch ich hatte auch schon bessere Moutonjahrgänge im Glas. Viel, viel bessere. Aber auch die waren nie so gut, dass ich jubelnd um den Block gelaufen wäre.)
Da hat es der Bordeaux einfacher. Man erwartet nicht viel bis gar nix. Und diese Latte reißt er dann auch nicht. Mürbes Gehölz, etwas Cassis, eine Schaufel Alkohol, alles zusammengepresst auf die Größe einer Euromünze, umgeben mit einem zarten Nichts und fertig ist das Ganze.
Damit ist er auch in seiner Preisklasse um die fünf Euro kein Schnäppchen. Aber man braucht auch nicht vor lauter Ärger mit dem Kopf vor die Wand rennen.
Mit dem 1992er Château Mouton Rothschild und seiner Aura könnte man trotzdem leben. Wäre da nicht sein Preis. Hat man für ihn mehr als einen moderat höheren zweistelligen Betrag gezahlt, sollte man sich schon mal der nächsten Wand zuwenden.
Trotz Glamour, Marketing und Künstleretikett.
Song zu den Weinen:
Yello - ‘The Race’
Hier kurz reinhören (via iTunes).
Tags: 0 bis 5€ · Über 50€ · Haut-Médoc · Bordeaux · Frankreich
2007 Montes Alpha Cabernet Sauvignon
Montag, 11. Jan 2010 · 5 Kommentare

Ein Wein mit einem sehr ordentlichen Preis-Leistungsverhältnis gefällig? Kein Problem, da fällt doch bestimmt jedem was ein.
Aber was, wenn es um die Verfügbarkeit geht. Und zwar an (fast) jedem Ort und vor allem: Rápido!?
Gell, da wird es schon eng!?
Und hier könnte der gute Aurelius Montes aus Chile helfen. Und zwar mit dem Montes Alpha.
Nicht der billigste, nicht der teuerste Montes, aber für knapp 14 Euro ein sehr ordentliches Stöffchen.
Und wie bei McDonalds oder Burger King bekommt man hier genau das was man erwartet: Einen Überseewein für Jungs. Mit 14, 5 Umdrehungen Alkohol, Herrenschokolade, dunkle Beeren und einer Portion Vanille, serviert auf einem harten Samtkissen. Zumindest in dieser Ausführung als Cab S.
[Gefunden bei… vielen Weinhändlern von Jacques’ bis Karstadt]
Song zum Wein:
Daft Punk - ‘Around the World’
Hier kurz reinhören (via iTunes).
Tags: 10 bis 15€ · Chile
Online und Wein 2009. Ein kleiner Rückblick.
Mittwoch, 30. Dez 2009 · 3 Kommentare
Im Prinzip war das Jahr 2009 wie die viele anderen zuvor. Die Weinszene bleibt für viele Außenstehenden ein undurchschaubares Mysterium.
Sicher auch ein Grund, warum viele potentielle Weintrinker lieber vorher abbiegen und den Weg zu Aldi, Lidl und Co nehmen.
Statt offener Transparenz, versteckt man sich gerne hinter dem trügerischen Bild eines Hortes des ewigen Friedens und des bedingungslosen Miteinanders.
Doch dieses Bild bekommt langsam Risse.
Und daran sind die Online-Werkzeuge nicht ganz unschuldig. Es deckelt sich nicht mehr ganz so einfach. Blogs, Twitter und Facebook haben sich in der Weinszene nun endgültig breit gemacht. Auch wenn Twitter und Facebook derzeit gut dafür taugen seine Tagesfreizeit zu reduzieren, Blogs haben sie entgegen anderslautenden Prophezeiungen immer noch nicht abgelöst. Auch in Posterous sehe ich nicht mehr als einen Spoiler auf einem Golf III. Von Spinnern bei Posterous werden wir womöglich nie etwas hören.
Manchmal gelingt es zwar aus dem Topf herauszuwinken, Wein bleibt trotzdem eine Nische.
Selbst wenn man als Empfehlung auf einem Top-Blog oder gar im Radio landet, mehr als einen kurzen Hauch von zusätzlicher Aufmerksamkeit gibt es nicht.
Wem das nicht reicht, der sucht sein Heil in den üblichen Selbstverarschungstricks oder sollte das Thema wechseln.
Einen Boom haben die Video-Weinblogs erlebt. Die Krone darf sich zurzeit Tvino aufsetzen. Das ist auch kein Wunder, denn vor Tvino steht Hendrik Thoma und dahinter Hawesko. Wir werden sehen wie es mit der Vielfalt weitergeht, wenn der Reiz des Neuen endgültig verblasst ist. Nimmt man hier und da den Weg von Bottleplot?
Die größten Geschichten liefert aber doch weiterhin das echte Leben.
Auch wenn manche Print weiterhin für tot reden, die großen Knallerthemen kamen immer noch von dort.
Eine gewisse Premium-Postille gibt es zwar immer noch, doch durften wir uns von einigen Druckerzeugnissen verabschieden. Die Vinum hat schweres Wasser hinter sich und ob tatsächlich Land in Sicht ist, wird sich zeigen. Die WeinGourmet hat es nicht geschafft. Ebenso das Gault Millau… Magazin. Dafür hat der Gault Millau Weinguide eine Menge Aufregung und Ärger produziert.
Auch hier werden wir sehen, ob man sich tatsächlich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Die aktuellste Ausgabe in meinem Bücherregal stammt jedenfalls aus dem Jahr 2004 und ich sehe auch weiterhin keinen Grund daran etwas zu ändern.
Sabine Bätzing, Ex-Drogenbeauftragte der Ex-Bundesregierung und Ex-Lieblingsgegnerin 2008/09 vieler Weinblogger musste den schweren Weg des Platz Freimachens gehen. Nun ist wieder alles im Lot und der Blick frei auf ein Schlachtfeld voll kalter Rauch um rein gar nix.
An einem leeren Schlachtfeld arbeitet sicher auch der Weinreporter „Mr. Winecontest“ aus Hamburg. Ob nun mit einer „brutalstmöglichen“ Aufklärung oder doch lieber mit dem „brutalstmöglichen“ Aussitzen der Situation sei mal dahingestellt. Im Moment sieht es allerdings stark nach letzterem aus.
Dass der Anstoß zu dieser Geschichte ausgerechnet von einer Weinfachzeitschrift gekommen ist, sollte uns Onlinern mal zu denken geben. Vieles war auch hier hinter den Fensterläden bekannt und etwas Offenheit zur rechten Zeit hätte sicher manchen Ärger erspart.
Das ist vielleicht eine gute Idee für 2010, das Jahr in dem Weincasting sein 5-jähriges Bestehen feiert.
Und Anlässe um den Finger auf die Wunde zu legen wird es sicher auch hier wieder genügend geben…
Tags: News
30+1 neue außergewöhnliche Weinetiketten
Mittwoch, 23. Dez 2009 · 1 Kommentar
Nachdem die 40 außergewöhnlichen Weinetiketten so gut angekommen sind, geht’s jetzt weiter im Text. 30+1 neue außergewöhnliche Weinetiketten aus aller Welt, die oft in ihrer gestalterischen Qualität glänzen, aber immer positiv aus der grauen Weinlabel-Masse herausstechen. Die Auswahl ist natürlich immer noch rein subjektiv…

Archer&Vine Wines entworfen von Matt Davey

cellar*lavineta entworfen von Lluís Serra

À La Petite Ferme entworfen von DesignersJourney

Elbows Bend entworfen von THE CREATIVE METHOD
Tags: WC Lektüre · Vermischtes · Gadget
1999 Barbaresco Asili [Bruno Giacosa]
Montag, 21. Dez 2009 · 1 Kommentar

Ok, wie fängt man bei Bruno Giacosa an? Vollkommen egal ob er nun der König, Kaiser, King, Beste, Titan oder sonst was aus dem Piemont ist. Giacosa macht sehr klassische und sehr gute Weinchen. Dazu gehört auch, dass man sie ein paar Jährchen liegen lassen sollte. Dem 99er Asili hat das nicht geschadet, im Gegenteil. Er steht gerade am Beginn seiner Karriere.
Ein ziemlicher heißer Stoff ist er geworden. Keine fette Ente, die vor lauter Frucht nur noch pupsen kann. Sondern ein eleganter… ähmmm… Kranich.
Fein, elegant, kräftig und schööööön laaaang. Kandierte Früchte, ein klitzekleinwenig Tabak, dazu Ragù alla bolognese mit einer Extrabrise Thymian. Also… ist der Wein… nicht das Essen dazu. Ginge aber auch.
Bleibt natürlich die Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis. Auch das bleibt königlich, hier und da legt man schon einen Hunni dafür hin. Mit etwas Geschick geht es aber auch günstiger.
Trotzdem, ein Sonderangebot ist er nicht. Würde ich persönlich aber etlichen „neuen“ Prestige-Weinchen wie dem Sassicaia vorziehen…
[Gefunden bei Pinard de Picard]
Song zum Wein:
Alice in Chains - ‘Rooster’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

